Tobias Volz - Geschäftsinhaber
„Ich war immer schon ein kleiner Revolutionär“
Geschäftsführer Tobias Volz über seinen Weg in die Pflege – und warum dieser Beruf für ihn bis heute spannend ist. Sein Motto: „Ich unterstütze die Menschen, um in ihrem geliebten Umfeld bleiben können.“
??? Tobias, du hast nach der Schule das Handwerk des Kochs gelernt. Heute bist Du ausgebildeter Pflegefachmann und leitest ein Unternehmen. Wie kam es zu diesem Wechsel?
Tobias Volz (TV): Ich hatte schon früh den innigen Wunsch, mich mit Ergotherapie zu beschäftigen. Schon als Koch interessierte mich das Thema. Damals war der Zugang zu dieser Ausbildung steinig, weil man das privat bezahlen musste. Durch meinen Zivildienst im Wohnstift Augustinum in Überlingen stieß ich auf die Frage: Wie wird man in unserer Gesellschaft eigentlich alt? Und wie würdevoll ist es? Die Station, auf der ich arbeitete, empfand ich als würdelos. Ich war immer schon ein kleiner Revolutionär. Später wechselte ich in eine interessante Einrichtung ins Wohnstift Thambach in Oberbayern, das ist eine beschützende Einrichtung. Dort erlebte ich völlig andere Ansätze, die mir einleuchteten: Viel Freiheit, viel Zuhause, viel Würde für die alten Menschen. Es war zwar eine geschlossene Einrichtung, doch gewann ich den Eindruck, dass es den Leuten gutgeht. Dort wurde mir angeboten, eine Ausbildung zu machen. Das war die Herausforderung. Ich durfte viel in der Beschäftigungstherapie ausprobieren, von morgens bis abends, und das war wunderbar.
??? Heute bist Du selbständig. Autos mit Deinem Namen auf den Türen fahren den Bodanrück rauf und runter. Wie kam das?
TV: Mein Bruder gab den Ausschlag. Bei einem Abendessen hat er mich überredet, mich selbständig zu machen. Er sagte damals: ‚Du hast so viele Ideen, Du musst etwas Eigenes auf die Beine stellen.‘. Es gab viele Argumente gegen eine eigene Firma. Als ich anfing, war ich der Mitarbeiter mit der geringsten Berufserfahrung – noch während der Ausbildung stellte ich mich auf eigene Füße. Das war im Mai 1995.
??? Du hast dein Unternehmen am Bodensee gegründet. Warum dort?
TV: Ich nahm damals die Landkarte zur Hand und überlegte mir: Kiel, Bonn oder Bodensee? Als eifriger Skifahrer lag der See nahe. Die Nähe zu den Alpen gab den Ausschlag.
??? Warum dann nicht Konstanz?
TV: Ursprünglich wollte ich dorthin ziehen. Doch war der Wohnungsmarkt schon damals angespannt. Ich hatte keinen Pfennig im Sack, ich war ein armer Koch. Allensbach stellte sich dann als Glücksfall heraus.
??? Über die Arbeit mit alten Menschen hast Du dir viele Gedanken gemacht.
TV: In Deutschland sind wir stark geprägt von Regeln und Dienstplänen, von Hausordnungen. So ist es auch im Altenheim geregelt. Doch das haben alte Menschen nicht verdient. Sie haben etwas geleistet und sollen sich jetzt plötzlich an Vorschriften halten, die andere aufgestellt haben. Bettgehzeiten, Mahlzeiten, organisierte Freizeiten. Das widerspricht dem Freiheitsgedanken. Wenn sie weiterhin zuhause leben dürfen, können sie mehr mitgestalten. Deshalb heißt mein Betrieb auch Aktive Lebensgestaltung mit Senioren. Hier wird die Selbständigkeit betont, um die es mir geht. Ich arbeite nicht für Senioren, sondern arbeite mit Senioren.
??? Wo liegt der Unterschied?
TV: Wir gehen mit Menschen zum Einkaufen, wir helfen im Haushalt oder beim Putzen. Dafür können sie in ihren vier Wänden wohnen bleiben. Sie bleiben Herr und Chefin im Haus und haben das Team Volz in der Hinterhand. Ich verstehe jeden, der im gewohnten zuhause bleiben will. Das ist auch ein Genuss und eine Freude. Wir unterstützen die Menschen, um in ihrem geliebten Umfeld bleiben können.
??? Immer wieder wird gefordert, dass alte Menschen ihren Führerschein abgeben. Wäre das richtig?
TV: Die motorischen Fähigkeiten sowie das Reaktionsvermögen nehmen ab, gar keine Frage. Man muss aber sehen, dass Autofahren ein Stück an Freiheit bedeutet. Warum sollen Senioren ihre Freiheit beim Landratsamt abgeben?
??? Du bist Chef. Bist du noch in der Pflege aktiv?
TV: Ja, ich nehme eine Vorbildfunktion ein. Ich bin der Feuerlöscher. Wenn jemand ausfällt, dann springen meine Frau Amrei und ich ein. Ich begegne gerne anderen Menschen.
??? Du bist auch Ausbilder und sprichst viele junge Menschen an, in die Pflege zu gehen. Wird der Beruf unterschätzt?
TV: In der Pflege spielen die weichen Faktoren – also das Menschliche – eine große Rolle. Es ist sehr schwierig, diese Faktoren nach außen hin positiv darzustellen. Weicher Faktor heißt: Der Mitarbeiter hilft, dass wir das soziale Umfeld eines Kunden angenehm gestalten. Wir produzieren nichts Sichtbares. Wir bieten eine unsichtbare Dienstleistung an.
??? Eine anspruchsvolle Tätigkeit …
TV: ... Wir sind auch Seelsorger. Wir hören zu. Wer in ein Haus geht, bekommt doch viel mit. Da ist Sensibilität nötig. Wir versorgen nicht nur, sondern wir fördern das gesamte Wohlbefinden eines Menschen. Das ist ein hohes Ziel, aber es ist unser Ziel.
??? Deine Niederlassung hast du neu gebaut, als du bereits 52 Jahre alt warst. Das ist relativ spät. Wie kam das?
TV: Das war eine praktische Entscheidung. Die Miete für meine alten Geschäftsräume im Allensbacher Gewerbegebiet war sehr hoch. Das Grundstück, auf dem der Neubau heute steht, wurde mir über Dritte angeboten. Ich rechnete das hoch und fand heraus, dass ein eigenes Gebäude langfristig günstiger sein wird. Zudem möchten wir langfristig die Arbeitsplätze am Ort sichern und ein fester Bestandteil der Gemeinde Allensbach bleiben.
??? Weshalb nicht früher?
TV: Ich hatte schlicht kein Geld dazu. Meine Pläne gingen nie Richtung Eigentum.
??? Du bist Sozialdemokrat. Wie kamst du zur SPD?
TV: Von meiner Familie her war ich das nicht – da waren alle Strömungen vertreten von stramm konservativ bis kommunistisch. Der SPD trat ich 1993 bei. Damals lebte ich in Bayern, wo die SPD in der Opposition saß. Die CSU durchlebte damals eine Serie von Skandalen, zum Beispiel die Amigo-Affäre. Die bayrische SPD hatte damals eine Vorsitzende, die mich sehr beeindruckt hat. Das war Renate Schmidt, die später unter Gerhard Schröder zur Bundesministerin berufen wurde. Sie hat immer klar gesprochen, kantig, nie polemisch. Die CSU-Dominanz fand ich unerträglich und verfilzt. Wenn immer dieselben am Hebel sitzen, dann wird dem Filz doch Tür und Tor geöffnet. Wie kann es sein, dass ein und dieselbe Partei permanent die Regierung stellt? Um einen Wechsel zu unterstützen, trat ich der SPD bei. Erst in Bayern, später in Baden-Württemberg.
??? Wie bringst du heute so viele Aktivitäten unter einen Hut – Unternehmer, Pfleger im Früh- und Abenddienst, SPD-Vorsitz, Gemeinderat, Kreisrat?
TV: Politik macht mir Freude und gibt mir auch Kraft. Mir geht es um Inhalte. Im Bereich Gesundheit und Pflege kann ich im Landkreis einiges bewegen. Es ist schön, wenn man diese Entwicklung verfolgen kann. Noch etwas: Ich habe Glück mit meinen Kindern, und dies, obwohl ich zum Teil alleinerziehend war. Sie sind jetzt selbständig.
??? Von Haus aus bist du Optimist?
TV: Unbedingt. Für mich gibt es keine Probleme, sondern Herausforderungen. Das ist wichtig fürs Unternehmertum. Wenn ich stets fragen würde, ob ich es schaffe, dann schaffe ich es nicht. Sport und Freizeit sind für mich wichtig. Ich nehme mir jedes Jahr sechs Wochen Urlaub. Dies ist wichtig, um Kraft zu tanken.
??? Stichwort Urlaub – Du bist häufig in Indien, Deine Mutter kommt aus Indien.
TV: Es dürften weit über 20-Mal gewesen sein, dass ich dort war. Das Land ist vielschichtig. Es verändert sich rasant, nicht zuletzt durch den Klimawandel, der auf den ganzen Subkontinent drückt. Ich habe das Land bereist vom Himalaya bis zum Dschungel. Von den Europäern wird Indien unterschätzt, auch was die Kultur anbelangt. Was dort an Kunst in den Museen lagert, ist gigantisch. 3000 Jahre vor Christus fertigten die alten Inder Bronzefiguren an, die in Europa ihresgleichen suchen.
??? Du unterstützt auch arme Dörfer in Indien?
TV: Das stimmt. Bei unserer Hochzeit 2020 verzichteten wir auf Geschenke. Wir baten unsere Gäste um Geldspenden für einige Urvölker, die im indischen Dschungel leben. Vor zwei Wochen erhielten wir Bilder aus dem Dorf, auf denen man sah, was alles gebaut wurde von den Spenden. Zwei Klassenzimmer, ein Speisesaal, ein Praxisraum, ein Kinderspielplatz. Die Menschen dort brauchen die Unterstützung. ??? Gibt es etwas, was du im Nachhinein anders machen würdest?
TV: In punkto ambulanter Dienst und Lebensgestaltung würde ich es exakt wieder so machen. Was mir ganz wichtig erscheint, ist das Vertrauen, das ich meinen Mitarbeitern entgegenbringe. Dieses Vertrauen kommt zurück. Die finanzielle Basis der Firma würde ich heute anders aufstellen. Es gab damals keine Beratung für ein Start-up. Ich habe schlimme Jahre hinter mir. Erst seit 2007/2008 kam ich aus dem Tief heraus. ??? In der Pflege arbeiten vor allem Frauen. TV: Für mich sind Frauen und Männer im Grundsatz gleich. In der Pflege stecken Männer und Frauen, aber Frauen sind in der Qualität besser. Oft müssen sie den Männern hinterher arbeiten. Wer pflegt, darf sich für nichts zu gut sein. Du verrichtest deine Arbeit oft alleine und keiner klopft dir auf die Schulter. Mit dieser Situation können Frauen offenbar besser umgehen. Frauen reden auch nicht mehr. Vor ihnen habe ich größten Respekt – nicht nur in der Politik.
Fragen: Uli Fricker
Bernd Duttlinger - Fahrer für den Tagestreff
„Es macht mir Freude, mit älteren Menschen zu arbeiten“
??? Bernd, du bist als Fahrer in der Aktiven Lebensgestaltung. Abends bringst du Klienten nachhause. Wie lange machst du das schon?
Bernd Duttlinger (BD): Seit drei Jahren bin ich unterwegs für den Tagestreff. Damals ging ich in Rente und fing dann als Fahrer bei Tobias Volz an.
??? Wie kam es dazu?
BD Ich wollte zum Beginn meiner Zeit als Rentner noch etwas Soziales machen. Früher arbeitete ich beim Roten Kreuz in Allensbach, aber das gibt es ja nicht mehr.
??? Aus welcher beruflichen Sparte kommst du?
BD 32 Jahre lang arbeitete ich im Labor der Bodensee Wasserversorgung. Nach dieser aktiven Zeit wollte ich noch etwas im aktiven Rentenalter tun. Meine Frau arbeitet seit über zehn Jahren in der Pflege bei Tobias Volz. Da bot sich diese Firma an.
??? Fahren und Auto sind nur der technische Untersatz. Es gehört ja noch einiges mehr dazu, wenn du Kunden fährst.
BD Ja, jeder Fahrgast ist anders. Mancher braucht Hilfe beim Ein- und beim Aussteigen. Es bestehen verschiedene Bedürfnisse. Einige bewegen sich mithilfe des Rollators, auch dort greife ich ein. Und es gibt Kunden, die auf den Rollstuhl angewiesen sind.
??? Wenn du abends den Schüssel holst und das Auto startklar machst, hat man den Eindruck: Diese Arbeit macht dir Freude.
BD Das stimmt wohl. Es macht mir Freude, mit älteren Menschen zu arbeiten und in Kontakt zu kommen. Mit der Zeit kennt man sich, man spricht miteinander.
??? Hattest du auch schon schwierige Situationen?
BD Ja, die gab es. Ich hatte schon Passagiere, die während des Fahrens den Sicherheitsgurt lösen. Dann hielt ich immer wieder, um den Gurt wieder zu schließen.
??? Hast du innerhalb der VW-Flotte ein Vorzugsauto?
BD Der Caddy gefällt mir sehr gut, er ist gut zu fahren. Auch der Bus ist in Ordnung, auch wenn er eine Automatik hat. Die kleineren E-Autos fahren gut, aber mit meinen 1,88 Meter Größe ist das Sitzen dort nicht besonders bequem. Wenn dann hinten noch eine Person sitzt und ich mit dem Sitz nach hinten rutsche, wird es eng.
??? Was hast du genau getan bei der Wasserversorgung?
BD Ich wohne in Dettingen und bin von dort jeden Tag nach Sipplingen gefahren. Ich war als Chemielaborant im Betriebs- und Forschungslabor tätig. Teilweise war ich im Außendienst und nahm Wasserproben. Von Sipplingen aus werden vier Millionen Bürger im Land mit Wasser versorgt. Dabei geht es immer auch um die Qualität und Sauberkeit des Wassers. Um diese zu prüfen und zu sichern, wurden die Proben genommen. Und alle vier bis fünf Jahre kamen neue Verordnungen heraus. Insgesamt komme ich auf 47 Arbeitsjahre.
??? Das ist eine Menge – und man lernt sicherlich viele Leute kennen.
BD Das stimmt. Bis heute pflege ich gute Kontakte zu den Kollegen von damals.
??? Die Allensbacher haben ihr eigenes Wasser, sie verfügen über eigene Quellen. Was ist dein Lieblingswasser?
BD Rein persönlich bevorzuge ich das Bodenseewasser der Konstanzer Wasserwerke. Da stimmt alles, es enthält genug Spurenelemente, Calcium wie auch Magnesium. Und es ist gründlich untersucht.
Dembo Sanyang, Auszubildender im Beruf Altenpflegehelfer
"Ich liebe diese Arbeit, es ist mein Wunschberuf"
??? Dembo, wie fängst du deinen Tag an?
Dembo Sanyang (DB) Ich schaue, dass ich jeden Tag früh aufstehe. Dann habe ich Zeit für Gymnastik, die für mich wichtig ist. Und ich laufe sehr gerne und sehr viel. Erst dann kommt das Frühstück. Das ist gut für meine Gesundheit. Denn nur wenn ich laufe, komme ich ins Gleichgewicht.
??? Wie kamst du nach Deutschland?
DS Seit drei Jahren lebe ich hier. Ursprünglich komme ich aus Gambia. Mein Vater starb schon früh. Am Anfang durchlief ich den Integrationskurs, da wurde mir klar: Es wird nicht einfach in Deutschland. Aller Anfang ist schwer – das ist doch ein deutsches Sprichwort, oder?
??? Was war so schwierig für dich?
DS Vor allem die deutsche Sprache. Sie ist schon sehr kompliziert, muss ich sagen. Anfangs traute ich mich überhaupt nicht, etwas zu fragen. Allmählich wird es besser. Mein Wortschatz wächst und ich frage jetzt einfach nach, wenn ich etwas nicht verstehe. Die Angst wird weniger, meine Sprache wird besser.
??? Welchen rechtlichen Status hast du?
DS Ich habe den Rechtstitel „Duldung“. Damit kann ich bleiben und darf vor allem die Ausbildung in der Aktiven Lebensgestaltung durchlaufen. Das ist für mich wichtig.
??? Wie kamst du zu Tobias Volz?
DS In der Schule wurde darauf Wert gelegt, dass jeder Schüler in eine Firma vermittelt wird. Der Lehrer fragte jeden, in welche Richtung er gehen will. Ich sagte, dass ich alten Leuten helfen will. In der Schule war die Firma von Tobias Volz bekannt, sie haben gleich in Allensbach angerufen und den Ausbildungsplatz vermittelt. Seitdem mache ich die Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Mehr geht im Moment nicht, weil mein Deutsch noch nicht gut genug ist.
??? Wie läuft es in der Lehre?
DS Ich denke, es hat gut angefangen. Und ich bin froh, dass ich diesen Platz habe. Im Herbst fing ich damit an, nachdem ich zuvor im Tagestreff mitgeholfen habe.
??? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
DS Wenn ich die Lehre bestehe, habe ich gute Aussichten. Wer keine Ausbildung hat, rutscht ab. Er macht dann schlimme Dinge. Deshalb bin ich dankbar, dass ich hier an meiner Zukunft arbeiten kann. Die Pandemie war ein Rückschlag. Viele Kontakte entfielen, deshalb konnte ich mein Deutsch nicht verbessern. Tobias Volz hat mir Babbel vermittelt, auch das ist eine Hilfe. Insgesamt bin ich zuversichtlich, da ich ja noch jung bin.
??? Was sagt deine Mutter zu deinem Weg?
DS Der Kontakt ist schwierig. Sie konnte nie eine Schule besuchen. Deshalb entfallen Kontakte über Whatsapp, da sie nicht schreiben kann. Gelegentlich telefonieren wir, das geht dann.
??? Diesen Beruf hast du dir ganz gezielt ausgesucht?
DS Ja, ich liebe diese Arbeit, es ist mein Wunschberuf. Das ist meine erste Anstellung in Deutschland. Da ich in Allensbach wohne, habe ich auch nicht weit zur Arbeit.
Mailin Abel - Gesundheits- und Krankenpflegerin
„Als Altenpflegerin habe ich intensiv mit einem Menschen zu tun.“
??? Seit wann arbeitest du für die Aktive Lebensgestaltung?
Mailin Abel (MA) Seit September 2020 bin ich dabei. Ich wurde ausgebildet als Altenpflegerin sowie als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Beide Ausbildungen habe ich in dreieinhalb Jahren gemacht.
??? Wo hast du gelernt?
MA Das war in Überlingen auf Schloss Rauenstein, dort sitzt die Justus-von-Liebig-Schule. Mein Lehrkrankenhaus war die Helios-Klinik in Überlingen.
??? Irgendwann reifte der Entschluss zum Wechsel in die Altenpflege. Wie kam das? MA Die Atmosphäre am Krankenhaus hat mir nicht mehr behagt. Ich denke, dass mir die Altenpflege mehr liegt als die Arbeit im Krankenhaus. Deswegen war für mich klar, dass ich in diese Richtung gehen werde. Nach der Ausbildung wechselte ich zu einem ambulanten Pflegedienst in Überlingen.
??? Was hat dich am Krankenhaus gestört?
MA Vor allem die Kollegen waren es. Sie verhielten sich teils unfreundlich, teils nahmen sie sich keine Zeit, um mir etwas zu zeigen. Die Ausbildung war nicht eben prickelnd.
??? Welche Rolle spielt das Thema Mobbing an Krankenhäusern?
MA Damit wurde ich nie konfrontiert. Was mich am meisten genervt hat, war der Zeitmangel der Kollegen. Sie hatten keine Zeit oder sie nahmen sich keine Zeit, den Azubis etwas beizubringen. Gerade aus diesem Grund durchläuft man doch eine Ausbildung, oder? Stattdessen schickten sie einen weg, zum Beispiel um ein Bett frisch zu beziehen. Eine Lehre, wie ich mir das vorstelle, sieht anders aus. Wie ich das in der Praxis erlebt habe, wurden die Azubis nicht wirklich ernstgenommen.
??? Kranken- und Altenpflege sind das zwei Paar Stiefel?
MA Natürlich, als Altenpflegerin habe ich deutlich länger mit einem Menschen zu tun. Das ist intensiver. Dabei baue ich eine größere Bindung auf: Ich lerne ihn kennen, oft erzählen er oder sie aus dem Leben. Im Krankenhaus kommt der Patient und er geht bald wieder. Es sollte immer schnell gehen, das Bett muss wieder frei werden. Das ist ein großer Unterschied.
??? Hast du schon Beziehungen zu Kunden aufgebaut?
MA Ja, das habe ich. Die Touren wiederholen sich, in viele Häuser komme ich regelmäßig. Gleichzeitig ist eine gewisse Distanz wichtig. Man muss sich ein Stückweit abgrenzen.
??? Wie machst du das?
MA Ich schaffe das, indem ich übergroße Nähe vermeide. Ich darf eine Krankengeschichte nicht zu nahe heranlassen. Das gelingt fast immer, aber eben nicht immer. Es gibt schon auch Todesfälle, die gehen mir besonders nahe.
??? Wie schaffst du den Ausgleich?
MA Ich höre gerne Musik, ich koche, fahre Rad und treffe Freunde. Ich wohne in Litzelstetten, das ist ein sehr guter Ausgangspunkt für Unternehmungen.
Danuta Ganz, Mitarbeiterin im Besuchsdienst
„Das ist eine gute Firma mit guten Ideen“
??? Seit wann arbeitest du für die Aktive Lebensgestaltung?
Danuta Ganz (DG): Seit fünf Jahren bin ich in dieser Firma.
??? Darf ich fragen, woher du stammst?
DG Ich komme aus Polen und lebe seit 2000 in Deutschland. Ich lernte meinen deutschen Mann in Polen kennen, dort arbeitete er damals auf Montage. Ich ging mit ihm nach Deutschland.
??? Also eine deutsch-polnische Liebesgeschichte?
DG Ja, das kann man so sagen!
??? Aus welcher beruflichen Sparte kommst du?
DG Ich habe Gärtnerin gelernt und auch in diesem Beruf gearbeitet. Aus verschiedenen Gründen habe ich diesen Beruf dann bereits in Polen aufgegeben. Die großen Kombinate, die der Staat unterhielt, wurden geschlossen und alles wurde privatisiert. Das betraf auch die Gärtnereien.
??? Wie war dein Start dann in Deutschland mit einer speziellen und auch harten Arbeitswelt?
DG Es war nicht schwer. Ich musste und wollte mich meiner neuen Familie anpassen. Mein Mann geht auf Montage und ist viel weg - das ist der Rahmen. Meine deutsche Familie ist sehr hilfsbereit, aber auch dort arbeiten die meisten. Meine Arbeit sollte so sein, dass sie zur Familie passt - zum Abholen der Kinder zum Beispiel. Wir wohnen in Allensbach. Viele Jahre war ich zuhause, bis mein Kind zehn Jahre alt war. Dann habe ich an der Mensa der Hochschule gearbeitet; in den Semesterferien hatte auch ich frei, das war ein Vorteil. Ich habe nie auf mich geschaut, sondern dass meine Tätigkeit zur Familie passt. Ich bin nie Karrierefrau gewesen.
??? Du bist im Besuchsdienst. Wie gefällt dir diese Aufgabe?
DG Sie gefällt mir sehr gut. Natürlich gibt es Situationen, in die man hineingerät und die nicht wünschenswert sind. Dann läuft man in eine Lage hinein, die für den Kunden und für mich unangenehm sind. Aber so ist das manches Mal im Leben.
??? Du arbeitest in Vollzeit?
DG Nein, ich habe hier 75 Prozent. Was mir noch wichtig ist: Aktive Lebensgestaltung ist eine gute Firma mit guten Ideen. Wir helfen, dass Menschen zuhause bleiben können und ihr liebgewonnenes Leben weiterhin führen dürfen. Gut ausgedacht ist auch der Tagestreff. Den Kunden dort geht es gut, sie lachen viel und singen gerne. Bei Musik blühen sie auf. Was mir auffällt: Sie sind im Tagestreff anders als zuhause, also fröhlicher. Die Frauen richten sich, bevor sie kommen. Alle werden respektiert und auf Augenhöhe angesprochen. Sie sind wichtig und werden ernstgenommen.